Die Cave di Cusa und die Entstehung von Selinunte

DIE STEINBRÜCHE CAVE DI CUSA

Etwa 10km westlich von Selinunt befindet sich eines der großen geheimen archäologischen Wunder des Mittelmeers: die Cave di Cusa.

Man schrieb das Jahr 409 v. Chr., als einige beunruhigende Neuigkeiten den Steinbruch bei Cusa erreichten: ein riesige Karthagerflotte mit Kurs auf das naheliegende Selinunt war gesichtet worden. Krieg war unvermeidlich.

Die Arbeiter legten ihr Werkzeug nieder und flohen, ohne zu wissen, ob sie jemals zurückkehren würden, um ihre Arbeit zu beenden. Sowohl die Geschichte als auch der Steinbruch selbst erzählt uns, dass dies nicht der Fall war. Halb behauene Säulenabschnitte sind nach wie vor mit dem Muttergestein verbunden, andere liegen verstreut im Gras oder in den umliegenden Olivenhainen - sie warten auf eine Auslieferung, die es nie geben wird.

Nichts wurde verändert seit diesem schicksalhaften Tag im Jahre 409 v. Chr. und gerade deshalb gelten die Cave di Cusa als einer der faszinierendsten Orte auf Sizilien. Versäumen Sie ihn nicht und vergessen Sie nicht, ein Picknick mitzunehmen.

 

So wurden die Säulen aus den Felsen gehauen

Dank der zahlreichen Säulenabschnitte, die (in unterschiedlichen Fertigstellungsphasen) noch immer den ganzen Steinbruch durchziehen, vermitteln die Cave di Cusa eine konkrete Vorstellung darüber, wie die Tempel in Selinunt (und vermutlich andernorts) erbaut wurden und wie Handwerker und Techniker vor Ort bei der Herstellung ihrer Meisterstücke vorgegangen sind.

Es folgt eine kurze Beschreibung des Vorgangs, mit einigen Abbildungen in der Fotopräsentation rechts:

1. Ein Kreis mit einem bestimmten Durchmesser wurde oben auf den Stein gezeichnet.

2. Die Steinbrucharbeiter begannen, den Kreisumfang zu meißeln, bis sie eine Tiefe von bis zu 2,5m erreichten (die Höhe der Säulenabschnitte ist unterschiedlich). Das Ergebnis war ein perfekter Zylinder umgeben von einem Freiraum im Stein von 45-60cm Breite.

3. Unter Verwendung von Metallwerkzeugen wurde der Sockel abgemeißelt, bis er vom darunter liegenden Gestein abgehoben werden konnte.

4. Nun konnte der Säulenabschnitt zur Baustelle (von Ochsen gezogen) gebracht werden, wo er weiter behaut, angepasst, verschönert und in Position gehoben wurde. 

Das Ergebnis war eine der großartigsten Tempelkollektionen der Magna Graecia.

Griechische und andere archäologische Stätten auf Sizilien:

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