Taranto, Apulien

EIN REISEFÜHRER FÜR TARANTO

Der wahre Charme von Taranto am wunderschönen Ionischen Meer ist sein unterschiedliches Wesen. Einerseits handelt es sich um eine Stadt voller Fischer und Muscheln, andererseits ist es ein großer Marinehafen mit vielen Kriegsschiffen und U-Booten. Die schicksalhafte Geschichte, eine Folge der strategischen Lage im Mittelmeer, hat ein Erbe hinterlassen, das die Stadt zu einem interessanten Ausflugsziel macht. Hinzu kommt die einzigartige Lage und Form um zwei große Buchten herum: Mar Grande, wo sich der Handelshafen befindet, und Mar Piccolo, flankiert vom alten Stadtkern, wo die Fischerflotte liegt und die Stadt in ihrer ursprünglichsten Form bewundert werden kann. Dank dieser beiden Buchten wird Taranto auch als "Stadt der zwei Meere" bezeichnet.

Taranto birgt eine Vielzahl an architektonischen Stilrichtungen in sich, eine Folge der zahlreichen Invasionen der Stadt im Laufe ihrer Geschichte.

Unter den Griechen wurde die Stadt zu einem der wichtigsten Handelszentren der Magna Graecia und die mächtigste Kolonie in Süditalien. Die Stadt erlebte ihre Blüte zu Beginn des 4. Jahrhunderts v.Chr. unter der Herrschaft des großen Staatsmannes, Mathematikers und Philosophen Archytas, einem Freund von Plato.

In der Zeit der Römischen Republik behielt Taranto seinen Status als wichtiges Zentrum im Mittelmeerraum, doch unter der Herrschaft des Römischen Reiches verlor es an Glanz. Kaiser Trajan leitete die Via Appia nach Bari an der Adriaküste um, was Tarantos Schicksal als Provinzstadt besiegelte.

Nach den Römern wurde Taranto Teil des Byzantinischen Reiches und stand dann für vierzig kurze Jahre unter der Herrschaft der Sarazenen. Das 11. Jahrhundert stand im Zeichen eines blutigen Machtkampfes zwischen den Normannen und den Byzantinern, die beide das fruchtbare Tarenter Ackerland einnehmen wollten. Die Normannen gingen aus diesen Kämpfen siegreich hervor und Taranto wurde fast vierhundert Jahre zur Hauptstadt einer normannischen Prinzipalität.

In den folgenden Jahrhunderten erlebte Taranto Invasionen von den Spaniern und Franzosen, doch mit dem Fall Napoleons gelangten Süditalien und Taranto wieder unter bourbonische Herrschaft zurück und wurden Teil des Königreichs beider Sizilien. Mit dem Risorgimento von 1861 wurde Taranto schließlich Teil des neu vereinigten Italien.

Vor und während des 1. Weltkrieges erlangte Taranto erneut einen Teil der Bedeutung, die es bereits vor 2.000 Jahren erfahren hatte, und wurde zum Heimathafen der italienischen Marine. Diese Rolle behielt die Stadt bis zum 2. Weltkrieg bei, was die Stadt zum Ziel der Alliierten machte. In der Nacht des 10. November 1940 wurde die Flotte der Regina Marina, die in der Mar Grande und der Mar Piccolo vor Anker lag, von der britischen Marine in der so genannten Schlacht von Taranto stark beschädigt. Der Angriff war der erste Angriff von Marineluftstreitkräften (Flugzeuge starten von Flugzeugträgern, um die feindliche Flotte zu bombardieren) und der Beginn einer völlig neuen militärischen Taktik. Admiral Cunningham bemerkte: "In Taranto hat sich ein für allemal gezeigt, dass die Marineluftstreitkräfte die verheerendste Waffe der Marine sind ." Drei Jahre später landeten die Briten am 9. September in der Nähe von Taranto im Zuge der alliierten Invasion, die sich langsam durch die italienische Halbinsel in Richtung Norden vorarbeitete.

Wenn Sie sich für Geschichte interessieren, empfehlen wir Ihnen einen Besuch im Nationalen Archäologischen Museum, das viele griechische, römische und apulische Ausstellungsstücke beherbergt, wie z.B. die Ori di Taranto, eine Sammlung von goldenen objéts d'art, die von der glorreichen Geschichte der Stadt zeugen.

Ein Spaziergang durch Taranto ist ein sehr angenehmes Erlebnis, denn es gibt vieles Interessantes zu sehen. Die Cattedrale di San Cataldo mitten im Herzen des alten Taranto stammt aus dem 11. Jahrhundert und beherbergt die Reliquien des Schutzheiligen der Stadt Sankt Cataldo. Die Fassade der Kathedrale ist im Barockstil, während die Kuppel deutlich byzantinische Einflüsse hat. Im Innern befindet sich ein wunderschöner Mosaikboden, ähnlich wie in der Kathedrale von Otranto, während die Kapelle von San Cataldo, wo die Reliquien aufbewahrt werden, mit einer beeindruckenden Reihe von Fresken von Paolo de Matteis aus dem Jahr 1713 geschmückt ist.

Tarantos zweites großes Monument ist die Burg Aragonese, die von König Ferdinand von Aragon im 15. Jahrhundert erbaut wurde. Im 18. Jahrhundert wurde die Burg als Gefängnis genutzt, bevor es später an die italienische Marine übergeben wurde. Heute ist sie für Besucher zugänglich und eine der beliebtesten Touristenattraktionen der Stadt. In der Nähe befindet sich der wunderschöne Kanal mit der Ponte girevole, einer Drehbrücke, die sich öffnet, um die Marineflotte passieren zu lassen. Wenn Sie Glück haben, können Sie sehen, wie die Einheimischen den Matrosen bei ihrer Rückkehr nach Hause zusehen, winken und zujubeln!

Direkt gegenüber der Burg stehen zwei gut erhaltene dorische Säulen. Sie sind Überbleibsel eines griechischen Tempels und das einzige sichtbare Zeugnis von Tarantos Vergangenheit als griechische Kolonie.

Der alte Stadtkern ist ein faszinierendes Labyrinth aus engen Gassen, in denen man oft nur hintereinander im Gänsemarsch laufen kann. Diese Straßen zeugen von den Fischern, die von ihren anstrengenden Fangausflügen auf dem Meer zurückkehren und bieten Besuchern einen bezaubernden und ungewöhnlichen Anblick. Fischmärkte befinden sich neben architektonischen Meisterstücken, während die Gäste von Cafés und Bars sich auch im Freien aufhalten. Wenn Sie genau hinhören, können Sie im Hintergrund Tarantos ganz eigenen Soundtrack vom Musikkonservatorium ausmachen. Diese so charakteristische südländische Atmosphäre wird durch die zahlreichen Restaurants verstärkt, die Meeresfrüchte servieren, wie z.B. die lokale Spezialität Tubettini con le nozze (Nudeln mit Muscheln). Probieren Sie es doch einmal - Buon Appetito!

 

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