Kleinstädte und Dörfer in Salento

DAS UNBEKANNTERE SALENTO

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Salento, das den schlanken Stiefelabsatz von Italien bildet, ist eine Landenge, die nicht ganz den Balkan erreicht, aber dennoch die Adria von ihrem ionischen Cousin trennt. 

Obwohl diese Landschaft den Römern als perfekter Ausgangspunkt für ihre Bestrebungen gen Osten diente, musste die weite Küstenlinie von Salento viele feindliche Angriffe von außen erdulden, war ein reichhaltiges Jagdgebiet für Barbaresken-Korsaren und der Anlaufhafen für die osmanischen Invasoren. Als das Leben an der Küste untragbar wurde, rannten die Menschen regelrecht in die Hügel. Neue Dörfer und Städte wurden in sicherer Entfernung zur Küste oder zumindest an Orten gegründet, die vom Meer aus nicht zu sehen waren. Burgen, Kirchen und aristokratische Palazzi schossen aus dem Boden und wurden von Wohnhäusern mit den typischen Innenhöfen umgeben, die ein Ausdruck der Einheimischen nach Privatsphäre und Sicherheit waren.

Heute ist Salento die Heimat hunderter verschlafener Dörfer und kleinen Städte, deren Ursprünge in dieser Hinterlandmigration liegen. Viele sind aufgrund ihrer Geschichte, ihrer Traditionen und ihrer authentischen, friedlichen Atmosphäre einen Besuch wert. Hier sind einige unserer Favoriten.


Scorrano

Obwohl Scorrano bis in die römische Zeit zurückgeht, erwachte es erst unter den Normannen zu seiner vollen Blüte, als Tancredi d’Hauteville, Enkelsohn von König Roger II von Sizilien, die Stadt in sein Herzogtum Lecce aufnahm. 

Nachdem der letzte normannische Erbe verstorben war, wurde Scorrano von einer dynastischen Familienregentschaft zur nächsten weitergereicht, bis es im 16 Jahrhundert als strategisches Drehkreuz im südlichen Salento florierte. Die Stadt bildete den Mittelpunkt zwischen Otranto im Osten, Gallipoli im Westen, Lecce im Norden und Leuca im Süden. 

Vom 16. bis 18. Jahrhundert erreichte der Reichtum der Stadt seinen Zenit, wie in zahlreichen Kirchen und aristokratischen Palazzi aus dieser Periode erkennbar. Das alte Stadtzentrum hat eine ovale Form und wird durch die Piazza Vittorio Emanuele II und die Via Maria d'Ungheria im Osten und durch die Via Marco Emilio Scauro und Via Sindaco Gian P. im Westen begrenzt. Dazwischen erstreckt sich ein Netz aus Straßen, in denen man wunderschön schlendern kann. Von Osten nach Westen verläuft die Via Umberto, die an der Porta Terra, einem befestigten Stadttor aus dem 15. Jahrhundert endet. Auf dieser Straße befindet sich der Rathausplatz und ein Uhrenturm aus dem frühen 19. Jahrhundert. 

Die wohl wichtigste Straße ist jedoch die Largo Frisari. Hier findet man neben dem Palazzo Ducale Guarini, einer eindrucksvollen aristokratischen Residenz aus dem 14. Jahrhundert, die Chiesa di Santa Domenica, eine Kirche aus dem 16. Jahrhundert, die dem Schutzpatron der Stadt gewidmet ist. Der Feiertag der Santa Domenica am 6. Juli ist Anlass für viele Feierlichkeiten in Scorrano. Drei Tage hintereinander (vom 5. bis 7. Juli) präsentieren die Anwohner wahrlich beeindruckende beleuchtete Holzkonstruktionen, die parazioni oder luminarie genannt werden. Wenn Sie in der Gegend sind, sollten Sie unbedingt vorbeischauen.

Castrignano del Capo

Die nur wenige Kilometer von Santa Maria di Leuca entfernte Stadt Castrignano del Capo bildet die südlichste Spitze Apuliens und ist ein klassisches Beispiel für eine „neue Stadt“, die in sicherer Entfernung zum Meer erbaut wurde. Ihre Gründer stammten aus Vereto, einem Dorf, das von den sarazenischen Plünderern im 10. Jahrhundert zerstört wurde. 

Das alte Zentrum, dessen mittelalterliche Wurzeln in den verschlungenen Straßen zu erkennen sind, ist als Borgo Terra bekannt. Hier finden Sie die für Apulien typischen weißgekalkten Häuser, unterirdische Olivenpressen (frantoi ipogei) und einige aristokratische Palazzi, wie den Palazzo Fersini aus dem 15. Jahrhundert und den Palazzo Muzi mit seinem wunderschönen Innenhof auf dem 18. Jahrhundert. Dieser Palazzo beherbergt nun ein gutes Restaurant und eine Bar namens Retrò. Palazzo Muzi ist in der Geschichte für seine Gastfreundlichkeit bekannt und begrüßte Gäste wie Joseph Bonaparte, den älteren Bruder Napoleons. 

Es gibt natürlich auch einige Kirchen. Die wohl wichtigste ist die in der Mitte des 18. Jahrhunderts erbaute Chiesa di San Michele Arcangelo, die eine prachtvolle Holzskulptur von Erzengel Michael und eine beeindruckende Orgel aus dem Jahr 1751 ihr Eigen nennen kann. Die Kirche steht an einer malerischen kleinen Piazza, die von einer Säule mit einer Erzengelstatue aus dem 19. Jahrhundert an ihrer Spitze geschmückt wird. Wie Sie vielleicht bereits erraten haben, handelt es sich bei dieser Statue um den Schutzpatron der Stadt.

Felline

Die Geschichte von Felline unterscheidet sich von den anderen Städten und Dörfern dieser Liste. Die Stadt wurde im 3. Jahrhundert n. Chr. gegründet und war in den römischen Zeiten eine relativ wichtige Produktionsstätte für Keramik. Mit dem Niedergang des römischen Reiches verfiel auch die Stadt und war häufig Opfer von seeseitigen Angriffen. Viele Bewohner zogen weg. Die guten Zeiten kehrten jedoch zurück, als die Familie Bonsecolo im 12. Jahrhundert in der Stadt ankam. 

Sie baute eine imposante Festung mit vier uneinnehmbaren Türmen (zwei eckige und zwei runde) und einer Fassade mit Balkonen. Die reizvolle Piazza am Fuße der Festung erweckt in den Sommermonaten zum Leben, wenn Restaurants und Bars die uralten Gehwegplatten säumen.

Bei einem Spaziergang im alten Stadtkern finden Sie einige Reste der ursprünglichen Mauern aus dem Mittelalter, einen gemeinschaftlichen Brotbackofen und zahlreiche Kirchen. Der einzige, noch bestehende Teil der Chiesa di Santa Sofia aus dem 14. Jahrhundert ist ihre Apsis, deren Triptychon aus Fresken nach wie vor sichtbar ist. Die im Vergleich dazu prachtvolle Renaissance-Mutterkirche aus dem 16. Jahrhundert beherbergt feine Malerei der flämischen Schule sowie einen eindrucksvollen, mehrfarbigen Altar aus Carrara-Marmor.

Morciano

Nur 2,5 km von den wunderschönen sandigen Stränden Torre Vado und Pescoluse entfernt liegt im Landesinneren die Stadt Morciano di Leuca. Sie hat die gleichen Ursprünge wie Castrignano del Capo und wurde im 10. Jahrhundert von Flüchtlingen aus dem geplünderten Dorf Vereto gegründet. In der Stadtmitte steht das Castello Castromediano-Valentini aus dem 14. Jahrhundert; ein imposantes Gebäude, das jeder Belagerung standhalten konnte. 

Um die Festung herum sind einige Kirchen angeordnet, wobei jede über ihre eigenen interessanten Merkmale und Geschichten verfügt. Die Schönste von allen sind die Chiesa Madre di San Giovanni Elemosiniere aus dem 16. Jahrhundert und die Chiesa del Carmine, deren geschwungene barocke Fassade über ihre Ursprünge aus dem 15. Jahrhundert hinwegtäuscht. Historisch erwähnenswert ist auch die Cappella della Madonna di Costantinopoli, die der Jungfrau Maria und ihrem Beitrag zum Sieg über die türkische Flotte bei der Schlacht von Lepanto 1571 gewidmet ist.

Morciano war ein wichtiges Handelszentrum für die Olivenölproduktion. Unter der Stadt befindet sich ein Netz aus etwa 18 unterirdischen Olivenpressen (frantoi ipogei). Eine der Pressen, Frantoio Ipogeo Cacciatore, ist für die Öffentlichkeit zugänglich und fasziniert mit einem Einblick in die Geschichte der Region. Von der um 1400 datierten Presse wird angenommen, dass sie bis etwa 1800 funktionsfähig war.

Specchia Gallone

Die Geschichte von Specchia Gallone wird präzise durch ihren Namen zusammengefasst: Auf Italienisch bedeutet specchia so viel wie unvollkommener Steinhaufen, der als Wachturm dient. „Gallone“ ist dahingegen der Name einer aristokratischen Familie, die Jahrhunderte lang im Dorf herrschte. 

Die primäre Funktion der 112 m über dem Meer befindlichen und der Adria zugewandten Stadt Specchia Gallone war die Warnung der nahen gelegenen Stadt Otranto, wenn Schiffe der Osmanen oder Barbaresken-Korsaren am Horizont auftauchten. Außerdem bot sie einen Zufluchtsort für die Menschen an der Küste, die sich nach jahrhundertelangen Angriffen eine friedliebendere Existenz wünschten. 

Heute ist es ein liebenswürdiger Ort mit wenigen Palazzi (wie dem Palazzo Colucci) und einigen Kirchen wie der Capella di Sant’Anna aus dem 13. Jahrhundert mit ihren eindrucksvollen Wandfresken und der Chiesa di San Biagio aus dem 17. Jahrhundert. 

Wenn Sie auf dem Weg von oder nach Otranto hungrig oder durstig sind, können Sie in Specchia Gallone haltmachen, um der Craft-Bier-Bar und dem Restaurant „Uccera Birra & Cucina“ oder der Bäckerei „Mr Caroppo's“ einen Besuch abzustatten. Neben dem Verkauf von leckerem Brot und verführerischen Kuchen aus eigenem Mehl ist die Bäckerei auch eine Trattoria.

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