Cannae in Apulien, Schauplatz des größten Triumphs Hannibals

DIE GESCHICHTE APULIENS

Die Alpenüberquerung Hannibals im Jahre 218 v. Chr. war eine wahre Meisterleistung, seine Sternstunde hatte er jedoch mehr als zwei Jahre später!

Seine Ankunft in Gallia Cisalpina (das diesseitige Gallien) sendete Stoßwellen durch die Halbinsel, die an Intensität zunahmen, je weiter er nach Süden vordrang. Hannibal erlebte einen Triumph nach dem anderen. Jeder Sieg war größer und glorreicher als der letzte, bis die Römer 216 v. Chr. in der Schlacht von Cannae eine solche schwere Niederlage erlitten, dass die Geschichte Europas und des Mittelmeers leicht eine andere Wendung hätte nehmen können.

In der Schlacht an der Trebia 218 v. Chr. und der Schlacht am Trasimenischen See 217 v. Chr. war es ein Leichtes für Hannibal, die römischen Legionen und ihre impulsiven Generale Tiberius Longus und Gaius Flaminius zu überlisten und auszumanövrieren.

Die Schlacht am Trasimenischen See ist als eine der größten militärischen Niederlagen des Römischen Reiches in die Geschichte eingegangen: Rund 30.000 Legionäre wurden von den karthagischen Eroberern getötet oder gefangengenommen. Rom selbst war nun Hannibal ausgeliefert, drastische Maßnahmen waren erforderlich. Es wurde beschlossen, das Amt eines Alleinherrschers (Diktators) wieder einzuführen, und Quintus Fabius Maximus wurde mit der Aufgabe betraut, das Reich zu retten.

Fabius war ein Mann mit einem Plan, einem Plan, der den Römern nicht gefiel. Es war ein Plan, der nicht nur gegen jeden Aspekt der Denkweise des römischen Militärs verstieß, sondern gegen all das, was einen Römer ausmachte. Fabius’ Plan bestand darin, eine Schlacht gegen die Karthager hinauszuzögern, zu vermeiden, die Truppen aufzureiben, aber die eigentliche Schlacht nie zu schlagen.

Hannibal versuchte, ihn in Fallen zu locken, ihn zu ködern und ihn zu kriegerischen Gedanken zu verleiten, aber Fabius widerstand der Versuchung. Je mehr er Hannibal jedoch auf Armeslänge hielt, desto mehr verhöhnten ihn die Römer. Sie erkannten nicht, dass seine Taktik, die später als Fabian-Strategie in die Geschichte eingehen sollte, die erwünschte Wirkung hatte. Auch der Senat hatte bald genug, und Anfang 216 v. Chr. wurde Fabius, der Diktator, durch zwei Konsuln, Gaius Terentius Varro und Lucius Aemelius Paullus, ersetzt.

Die beiden neuen Konsuln, angespornt durch die allgemeine Stimmung, stellten eine Streitmacht aus 60.000 bis 100.000 Männern zusammen (es scheint keine Einigkeit über ihre genaue Anzahl zu bestehen). Dieses riesige Heer marschierte bald in Richtung Apulien, wo Hannibal sie kurz vor Cannae, etwa 70 km nördlich vom heutigen Bari erwartete.

Als die beiden Konsuln eintrafen, konnten sie sich jedoch nicht über die beste Taktik einigen. Paullus argumentierte, das flache Umland sei ideal für Hannibals erfahrene Kavallerie und es sei daher vorzuziehen, die Schlacht auf hügligeres Land zu verlegen, wo Pferde weniger effektiv eingesetzt werden konnten. Varro hingegen erkannte, dass das römische Heer fast doppelt so groß war wie Hannibals, und er war ungeduldig und wollte den Stolz Roms unverzüglich wiederherstellen.

Die beiden Konsuln verfügten über gleiche Befugnisse, keiner konnte den anderen überstimmen - wer also sollte die Entscheidung treffen? Laut römischer Tradition wechselte das Oberkommando über das Heer täglich zwischen den beiden Konsuln, und unter Varros Befehlsherrschaft wurde das riesige römische Heer gegen den gerissenen Hannibal und seine Streitkräfte aufgestellt.

Varro bediente sich zunächst einer herkömmlichen dreireihigen Manipelformation, änderte seine Taktik nach genauerer Betrachtung jedoch bald und rückte seine Truppen enger zusammen. Seine Begründung lag darin, dass Hannibal seine Truppen in einem Halbkreis mit dem Auslauf der Kurve nahe den römischen Reihen aufgestellt hatte. Der Mittelpunkt der Kurve bestand aus den schwächeren spanischen und gallischen Soldaten, und es war die Aussicht, diesen empfindlichen Teil leicht durchbrechen zu können, die Varro veranlasste, seine Männer auf den mittleren Bereich zu konzentrieren... Runde Eins ging an Hannibal: Varro war ihm auf den Leim gegangen, und zwar vollständig!

Was Varro nicht verstanden hatte, war die Rolle der numidischen Kavallerie Hannibals und seiner sturmerprobten libyschen Soldaten an den Außenflanken des Halbkreises, weiter weg von den Römern.

Die Schlacht begann, und wie vorauszusehen war, hielten sich die Römer zunächst gut und drängten die spanischen und gallischen Truppen in der Mitte zurück. Während seine Männer die Mitte des Halbkreises zurückdrängten, erkannte Varro in der Hitze des Gefechts jedoch nicht, dass sich die Flanken, an denen sich die Kavallerie und die libyschen Truppen befanden, nicht bewegten. In Wirklichkeit wurde der Halbkreis invertiert, und die Römer waren bald an drei Seiten umzingelt. Als die Wahrheit dämmerte, griff Hannibals Kavallerie von hinten an und setzte ihre römischen Gegner schnell außer Gefecht... Das Gemetzel begann...

Mindestens 50.000 römische und verbündete Soldaten fanden den Tod, während Hannibal nur ca. 6000 Männer verlor. Paullus, der gegen eine solche Schlacht argumentiert hatte, stürzte sich ins Kampfgetümmel, da er es vorzog, zu sterben als mit der Schmach zu leben, einem solchen Desaster entkommen zu sein. Varro besaß kein solches Ehrgefühl; er floh zurück nach Rom.

Indem er dem mächtigen Römischen Reich eine derart erniedrigende Demütigung zufügte, besiegelte Hannibal seinen Ruf als einer der besten Militärstrategen, die es je gegeben hat. Der zweite Punische Krieg stand am Scheideweg, und Hannibal regelte den Verkehr. Warum er anschließend nicht auf Rom marschiert ist, weiß niemand. Und ob sein Versuch, die Hauptstadt zu erobern, von Erfolg gekrönt gewesen wäre, ist reine Spekulation.

Was wir jedoch wissen, ist, dass etwa 14 Jahre später, zum Ende des zweiten Punischen Krieges, Hannibal geschlagen war, Karthago dem Erdboden gleich gemacht worden war und seine fruchtbaren Felder mit Salz durchpflügt worden waren. Die größten Rivalen Roms waren vernichtet, und das Fundament für die nächsten 700 Jahre des Römischen Reiches war gelegt.

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